Gemeinsam lesen #83: Jodi Picoult & Samantha Van Leer - Liebe ohne Punkt und Komma (Teil 2)

Hallo, hallo, hallo ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 83. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 
Und nun zu den Fragen für diese Woche:

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich höre gerade Liebe ohne Punkt und Komma von Jodi Picoult und Samantha Van Leer und bin aktuell bei Kapitel 54 von insgesamt 69 Kapiteln.

Darum geht's:  
Was wäre, wenn du dich in den Helden deines Lieblingsbuchs verlieben würdest? Und er es tatsächlich schafft, in deine Welt zu gelangen, um bei dir zu bleiben? Es könnte das perfekte Happy End sein: Delilah und Oliver, der Prinz, der buchstäblich einem Märchen entsprungen ist, können endlich zusammen sein. Doch so einfach ist es leider nicht. Olivers Verschwinden hat die Märchenwelt ins Chaos gestürzt. Das Buch wehrt sich gegen diesen heftigen Eingriff und fordert seine eigentliche Geschichte zurück. Doch was wird dann aus Delilah und Oliver? Wird er je bei ihr in der realen Welt leben können, für immer?
2. Wie lautet der erste Satz im aktuellen Kapitel?

"Hier drinnen ist alles viel zu hell."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Bei Liebe ohne Punkt und Komma handelt es sich um den zweiten Band der Dilogie Mein Herz zwischen den Zeilen, ein Mutter-Tochter-Projekt von Jodi Picoult und Samantha Van Leer. Der erste Teil hat mir als Buch sehr gut gefallen, die Illustrationen waren wunderschön anzusehen und auch die Geschichte an sich ist zuckersüß geschrieben (hier findet ihr die Rezension zu Band 1). Über die Hörbuch-Suchapp Spooks habe ich dann gesehen, dass das Hörbuch bei Spotify verfügbar ist. Nun höre ich schon beinahe über einen Monat daran herum, nicht weil es schlecht ist, sondern weil ich Hörbücher eher auf den Weg zur Arbeit höre, und die Sommerferien sind ja nun vorbei. Mittlerweile bin ich dann auch schon im Endspurt angekommen und das Hörbuch erreicht gerade den Spannungshöhepunkt. Eingesprochen gefällt mir die Geschichte auch sehr gut, irgendwie kommt der Witz in Teil 2 richtig gut rüber. Prinz Oliver ist im wilden Schulleben echt der Knaller, wenn er in Chemie über Drachentötungen philosophiert und alle anderen sich so denken:"WTH?" Einzig und allein seine Sprecherstimme stört mich, so hatte ich sie mir nicht vorgestellt. Die Stimmen von Delilah und Edgar sind sehr viel besser anzuhören. Ich kann bisher in jedem Fall meine Empfehlung aussprechen.


4. Haben Autoren bei dir Star-Charakter?
Eindeutig ja! Wobei ich jetzt nicht so ausflippen würde, wie ein Justin Bieber-Fangirl. Wobei... naja doch, bei Sebastian Fitzek vielleicht... eventuell ... ein ganz kleines bisschen, haha?!


Wie schaut es bei euch aus? Würdet ihr Autoren ein "Heirate mich und ich will ein Kind von dir!" zujubeln? Und überdies: Welches Buch begleitet euch in dieser Woche? Schreibt es mir in die Kommentare! :-)

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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Ein paar Worte zu... Adriana Popescu - Paris, du & ich



Adriana Popescu Paris, du & ich | Jugendbuch/Liebesgeschichten | Broschur, 352 Seiten | cbt | Preis: 14,99€  | erschienen am 25. Juli 2016 | ISBN: 9783570172322 | Hier bestellen: Thalia eBook *amazon


Worum geht es?

Romantik pur hatte sie geplant – eine Woche Paris bei ihrem chéri Alain. Doch angekommen in der Stadt der Liebe, muss die sechzehnjährige Emma feststellen, dass Alains »Emma« inzwischen »Chloé« heißt und sie selbst nun dumm dasteht: ohne Bleibe, ohne Kohle, aber mit gnadenlos gebrochenem Herzen. Ähnlich down ist Vincent, dem kurz vor der romantischen Parisreise die Freundin abhandengekommen ist, und den Emma zufällig in einem Bistro trifft. Zwei Cafés au lait später schließen die beiden Verlassenen einen Pakt: Sich NIE wieder so heftig zu verlieben. Und nehmen sich vor, trotz allem diese alberne Stadt der Verliebten unsicher zu machen, allerdings auf ihre Art. Paris für Entliebte – mit Chillen auf Parkbänken, Karussellfahren auf alten Jahrmärkten, stöbern in schrägen Kostümläden. Doch ob das klappt: sich in der Stadt der Liebe NICHT zu verlieben?…

Wie hat es mir gefallen?

Ich habe das Buch soeben beendet und muss gleich voran mal die Frage aller Fragen stellen: Frau Popescu, muss ich jetzt eigentlich auch nach Paris reisen, um Vincent ... okay, oder jemand ähnlichen wie Vincent, zu treffen? War das eine herzliche Geschichte! Emma reist mit voller Liebe im Herzen nach Paris, um den schnieken Franzosen Alain zu überraschen, trifft aber nach dramatischen Herzgebreche auf den kuriosen Vincent, der sein Herz auch nur mühsam mit etwas Tesa zusammenhält. Paris für Entliebte verspricht der Klappentext und hält genau dieses ein!
Ich war zwar noch nie da, aber wir alle kennen Paris doch ein bisschen. S. 22
Schon bei Lieblingsmomente hat es mir sehr gefallen, wie Adriana Popescu nicht nur irgendeine Stadt beschreibt, sondern sich spürbar mit einfachen Worten lebt. So war es auch wieder in Paris, du & ich. Ich habe nicht einfach nur gelesen, dass Emma die vielen Seitenstraßen von Paris unsicher macht, die einst schon ihre Lieblingsautoren Hemingway und Fitzgerald bestritten haben und als Inspiration nutzten. Ich habe ihr dabei über die Schulter sehen und ihr folgen dürfen, wie ein unsichtbarer Schatten. 
Vor allem fand ich es super, dass Emma und Vincent nicht nur das touristische Paris erkunden, sondern insbesondere das eigentliche Pariser Leben, welches, wie in jeder anderen Metropole auch, in den Seitengassen und Vorstädten am ehesten zum Ausdruck kommt. Ein Ausflug zum La Tour Eiffel darf trotzdem nicht fehlen, so ist es aber vor allem Vincent eine Herzensangelegenheit, dass Emma nicht allzu viel Plastik-Paris inhaliert und zeigt ihr die Stadt mit all ihren Straßen und Gassen im Detail - und sei es nur, wenn sie zusammen einem Maler über die Schulter sehen. Weitblick mal anders.
Ich muss auch sagen, dass mir sowohl Emma als auch Vincent als Hauptakteure gefallen haben. Meist gibt es immer irgendwen, der mich ab einem gewissen Zeitpunkt nervt. Das war in Paris, du & ich ausnahmsweise mal überhaupt nicht so. Emma bedient auch nicht die typischen Klischees. Sie ist eine Redhead in Spe, kann sich mit Literaturklassikern am ehesten identifizieren und nichtzuletzt hat ihr Adriana Popescu mit all dem Film- und Serienwissen auch das gewisse nerdige Etwas zugeschrieben. Vincent ist so irgendwas zwischen Augustus Waters aus Das Schicksal ist ein mieser Verräter (das ist mal einer, der sich noch gewählt toll ausdrücken kann und dabei trotzdem witzig ist) und Seth Cohen aus O.C. California (eindeutig die tollpatschige Art gepaart mit der verrückten Weise sich zu kleiden!) und doch ist er immer unverwechselbar Vincent. Bookcrushes gibt es genügende, Vincent kann sich nun gerne mit zu ihnen einreihen. Sei es durch seine Marotte des ausgefallenen Socken tragens oder wegen seines unverwechselbaren Charmes aus jeder für Emma peinlichen Situation doch noch eine herzenslustige zu machen (die Spinatszene hat mich übrigens ganz stark an die Szene aus SATC erinnert, als Steve sich ebenfalls einen Milchschaumbart verpasst). Die beiden harmonierten als Figuren wirklich sehr gut miteinander.

Deshalb empfand ich es auch schon fast als störend (Achtung, Kritik!), als dann dieses Mean Girls-ähnliche Partydesaster miteingebaut wurde - aus diesem Alter bin ich definitiv raus, AH! Paris, du & ich lebte bis dato eigentlich von sehr viel Ruhe und Gelassenheit, von jugendlichen Träumen, die zwei Menschen miteinander teilen. Klar, war der crêpage de chignons unterhaltsam zu lesen, aber ich frage mich trotzdem, ob man diesen Spannungsbogen nicht auch hätte anders erzeugen können. Das war aber eigentlich auch der einzige fauxpas für mich im Buch. 
"Einfach so?" Einfach so. Man merkt, welche Menschen man gehen lassen und welche man festhalten muss. Man weiß nie, warum, man weiß immer nur, wen." S. 192
"(...) Und Emma, hör auf dein Herz! Immer! Selbst ein kaputtes Herz weiß besser, was wir brauchen, als ein gesunder Kopf!" S.207
Nicht außen vor gelassen werden darf übrigens Jean-Luc, der Concierge. Neben den parisischen Erkundungen von Emma und Vincent, waren mir diese Textstellen mit ihm womöglich doch die Schönsten, denn nebst der Liebe zum Entdecken und Erkunden, bringt der Mann noch ungemein viel Liebe zum Leben und zur Liebe selbst mit ein. Wirklich schön zu lesende Textpassagen eines Mannes, der sein Leben mit allen Sinnen gelebt hat. 

Mit Paris, du & ich hat Adriana Popescu wirklich eine tolle zarte Liebesgeschichte zweier Heranwachsener geschrieben, die auch noch in der Stadt spielt, in der gerade die Liebe das Lebenselixier überhaupt ist. Wer sich auch mal auf die Spuren schon längst verstorbener Literaturvertreter machen möchte, etwas parisisches Flair braucht oder einfach nur einen neuen Bookcrush sucht, in Paris, du & ich findet ihr all dies und noch ein bisschen mehr. Apropos Flair: Ich habe es leider erst zum Schluss gesehen, aber auf Seite 349 ist übrigens der Sountrack zum Buch aufgelistet, alle Kapitel des Buches sind nämlich nach französischen Chansons benannt. Die Playlist könnt ihr euch hier auf Spotify anhören. Ganz klare Leseempfehlung von mir, ich habe insgesamt 4 von 5 Sternen vergeben.

Lieblinks

Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Die offizielle Homepage der Autorin (mit noch mehr Playlists) findet ihr hier und einen YouTube-Kanal gibt es auch. Bei der Gelegenheit verlinke ich euch an dieser Stelle auch mal den Buchtrailer zu Paris, du & ich.



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Wir lesen uns hier am Sonntag wieder :-)
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Gemeinsam lesen #82: Max Bentow - Der Traummacher

Hallo, hallo, hallo ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 82. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 
Und nun zu den Fragen für diese Woche:

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese gerade Der Traummacher von Max Bentow und bin aktuell auf Seite 7.

Darum geht's:  
Simona ist eine lebenslustige junge Frau und im Begriff, gemeinsam mit ihrer Freundin Alina eine Werbeagentur in Berlin aufzubauen – bis sie eines Nachts auf tragische Weise ihrem Herzleiden erliegt. Ihre Mutter ist fortan eine gebrochene Frau, die das Trauma nicht überwinden kann: Sie hört Simonas Stimme und wird von schrecklichen Fantasien verfolgt. Doch dann ereignet sich etwas Unfassbares – sie wird im Keller ihres Hauses auf bestialische Weise ermordet, ihr Körper ist mit Biss-Spuren übersät. Nils Trojan und sein Team, die sofort am Tatort eintreffen, sind noch nie mit einem solch schockierenden Anblick konfrontiert worden. Doch dies ist erst der Anfang, denn wenig später wird auch Alina in einer verlassenen Turnhalle am Rande Berlins tot aufgefunden, ihr Hals entstellt von denselben grausamen Malen. Nils Trojan ermittelt fieberhaft, und was er enthüllt, führt ihn an den schwärzesten Abgrund, in den er je geblickt hat ...
2. Wie lautet der erste Satz auf der aktuellen Seite?

"Willst du dein paar Fotos von mir schießen?"

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Endlich ist es soweit: Nils Trojan ermittelt wieder! Leute, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich immer auf den Spätsommer freue. Ich meine der eigentliche Herbst ist schon für die Fitzek-Vorfreude reserviert, aber den Spätsommer kann ganz eindeutig Max Bentow vorfreudentechnisch für sich verbuchen. Schon das sechste Jahr in Folge veröffentlicht er nämlich wieder einen neuen Psychothriller in Berlin spielend rund um den Hauptkommissar Nils Trojan. Gänsehaut bei knackigen 30°C ist da wieder vorprogrammiert und ich finde, dass noch viele viele Menschen mehr die Bücher von Max Bentow kennen, lesen und lieben sollten, denn die sind echt verdammt gut! Gerne wäre ich selbst schon weiter in der Geschichte vorangeschritten, nur leider hindert mich eine fiese Nasennebenhöhlenentzündung daran, mich langfristig zu konzentrieren - so ärgerlich.


4. Hast du eine Mindest- oder Höchstmenge an Seiten, die du liest?
Bezieht sich die Menge auf die durchschnittliche Seitenmenge am Tag, in der Woche, im Monat oder in einem Jahr? Ich will mir pro Tag eigentlich nicht allzu viel vornehmen, da es alleine in dieser Woche schon wieder zwei Tage geben wird, an denen ich berufstechnisch nicht zum Lesen kommen werde. Mir ist für mich persönlich nur wichtig, dass ich überhaupt ein paar Seiten lese und im besten Fall ein Buch in der Woche beenden kann. In den Monatsrückblicken rechne ich freilich aus, wie viele Seiten das durchschnittlich am Tag gewesen wären, da liege ich immer zwischen 50-70 Seiten pro Tag. Aber hier liegt die Betonung bei "gewesen wären", in der Realität ist es meist so, dass ich unter der Woche wenig lese und am Wochenende dann einen Sprint einlege, weil es dann zeitlich besser passt.


Wie schaut es bei euch aus? Seit ihr buchige Seitenstatistiker? Und überdies: Welches Buch begleitet euch in dieser Woche? Schreibt es mir in die Kommentare! :-)

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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Ein paar Worte zu... Nicole Obermeier: Ben & Judy - Riskier dein Herz

 Nicole Obermeier Ben & Judy - Riskier dein Herz | Jugendbuch/Liebesgeschichten | eBook, 333 Seiten | Forever by Ullstein | Preis: 3,99€  | erschienen am 12. August 2016 | ASIN: B01J7L1ZX8 | Hier bestellen: Thalia eBook *amazon


Worum geht es?

Judy hängt in den Seilen. Sie hat sich von ihrem Freund getrennt und muss nach dem Abi herausfinden, was sie mit ihrem Leben überhaupt anfangen will. Kurzerhand nimmt sie einen Job in einem Café an, um erst mal an Geld zu kommen. Ihre neue Kollegin dort kann Judy jedoch so gar nicht leiden. Und deren Bruder Ben noch weniger, der offenbar jede Woche eine andere im Bett hat. Klar, er sieht unverschämt gut aus und löst irgendwie ein Kribbeln in ihrem Bauch aus. Aber Judy ist sich ziemlich sicher, dass es mit ihnen niemals klappen könnte …

Ben lässt keine Gefühle mehr zu. Zu sehr haben die ihm in der Vergangenheit Kummer bereitet, in der er viel zu früh erwachsen und für seine kleine Schwester da sein musste. Jetzt will er bloß kein Drama. Lieber hängt er mit seinen Jungs ab und schiebt eine schnelle Nummer mit einer Frau, die genauso ungebunden ist wie er. Doch immer wieder läuft ihm diese Judy über den Weg und er bekommt sie nicht mehr aus seinem Kopf. Und plötzlich glimmen Emotionen auf, die Ben längst begraben geglaubt hatte …

Wie hat es mir gefallen?

Ich bin ganz ehrlich: ich hatte ein komisches Lesegefühl im Bauch, als Nicole mich fragte, ob ich ihr Debüt Ben & Judy - Riskier dein Herz lesen und rezensieren wolle. Nicht etwa der Befürchtung wegen, Nicole könne nicht schreiben, sondern weil ich mich ja derzeit mit Liebesgeschichten á la Colleen Hoover echt schwer tue und auch nicht so recht warm werde. So habe ich dann gedanklich auch zu Beginn der Geschichte nicht gerade wenige Stoßgebete wie "Bitte bitte nicht so ein unrealistisches Liebesdrama!" gen Himmel geschickt. 
 
Vielleicht wurde mein Bitten erhört, vielleicht war es auch vollkommen unberechtigt, aber alle Kritikpunkte die ich bei Büchern dieses Genres habe, wurden bei Ben & Judy nicht bedient - Jackpot! Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, einmal aus Judys und dann wieder aus Bens Sicht. Judy hängt wortwörtlich in den Seilen, verkörpert aber zeitgleich auch ein Massenphänomen, welches junge Menschen heutzutage bewältigen müssen: Abi in der Tasche, mir stehen gefühlt eine Millionen Türen offen, ich kann mich nicht entscheiden, was soll ich nur mit meinem Leben anfangen? Dieses "sich selbst (zurecht) finden" wird meiner Meinung nach viel zu wenig in Jugendbüchern behandelt, und wenn es angerissen wird, bleibt es meist sehr oberflächlich und die Lösung steht meist in Ich habe jetzt einen geilen heißen Freund, der Rest wird sich schon finden-Form parat. Dieses Klischee bedient Nicole Obermeier gottseidank nicht, stattdessen vollzieht Judy eine Entwicklung, mit der ich beim Lesen tatsächlich nicht gerechnet hätte. Diese Art Wendung der Geschichte hat mir wirklich sehr gut gefallen, weil sie einerseits so unerwartet für mich war und andererseits von Vernunft und Herzenswunsch gleichsam geprägt ist. Ideale, die man einem jungen Leser mit solch einer süßen Geschichte guten Gewissens mitgeben kann.

Positiv war für mich auch, dass Judy keine Dramaqueen per se ist. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, manchmal sind es ein zwei Päckchen mehr. Auch Judy kann sich davon nicht freimachen, doch werden hierbei Themen behandelt, die auf mich und dich und auch auf deine besten Freundin zutreffen könnten. Weniger unterhaltsames Hollywood-Gedöns, vielmehr Konflikte, die wir alle einmal lösen müssen und schon lösen mussten - Stichwort: die liebe Familie. Dabei bleibt Judy aber immer eine junge Frau, mit der ich mich gut identifizieren konnte, mit der sich Heranwachsende wahrscheinlich aber noch viel besser identifizieren können, weil sie vor denselben Lebensweichen stehen, wie Judy. Dabei ist sie auch nie unsympathisch oder dümmlich redend. Sie hat ihre Wurzeln vielleicht auf dem Land, ein Landei ist sie deshalb aber noch lange nicht. 

Einen Aspekt den ich auch sehr interessant fand, war die Herausarbeitung der zweiten Hauptfigur Ben. Denn der trägt ein deftiges Paket mit sich herum, welches durch die Autorin mit sehr viel Feinfühligkeit bearbeitet wurde. Seine daraus resultierenden Selbstzweifel, der andauernden Scham vor der eigenen Vergangenheit und den ständigen Drang, verantwortungsvoll zu handeln, aber auch ihm wohlgesonnene Menschen auf Abstand zu halten, konnte ich ohne Zweifel nachvollziehen. Auch Ben entwickelt sich ausgesprochen positiv, und bleibt dabei sowas von sympathisch. Selbst diesen einen faux pas konnte ich ihm sofort verzeihen (ich hätte es sogar verstanden, wenn er es getan hätte, haha). An Authentizität fehlt es der Geschichte also wirklich nicht, Empathie wird durchgängig gefordert und gefördert und das rechne ich der Autorin für ein Erstlingswerk hoch an!

An die Nebencharaktere möchte ich auch noch schnell ein Wort verlieren: allen voran Bens Schwester Liz, die erstmal ziemlich kratzbürstig erscheint, dabei aber auch nur ein Spiegel dessen ist, was passiert, wenn Gesellschaft zulange nicht hinschaut. Die rebellischen Leser werden sie sicherlich lieben! 
 
Keinesfalls vergessen möchte ich übrigens auch das Lob für den gewählten Handlungsort! Der wird zwar nicht offensichtlich benannt, aber es wird ganz gewiss irgendein Städtchen in den östlichen Bundesländern sein, denn da ist es ein Leichtes an die Original Thüringer Bratwurst heranzukommen. Das war der sympathischste Buchmoment, den ich seit langem einmal wieder hatte, weil ich mein Wahlheimatchen so schrecklich doll vermisse! Außerdem finde ich es sowieso viel besser, wenn Romane deutscher Autoren auch mal in Deutschland spielen, es muss nicht immer highfancy Großbritannien oder die Westküste der USA sein. Diese Länder haben etwas schönes an sich und es gibt dir beim Lesen das internationale Feeling, keine Frage, aber deutsche Schauplätze sind zur Abwechslung dann doch auch sehr erfrischend und nicht weniger ansehlich.
 
Nicole Obermeier hat mit ihrem Debüt Ben & Judy - Riskier dein Herz eine authentische Liebesgeschichte gesponnen, die thematisch vielerlei Konflikte der Quarterlife Crisis unserer Zeit aufgreift, transportiert durch identifikative Charaktere, die vor allem eines sind: sympathisch, echt und wie die Freunde von nebenan. Ich habe vier von fünf Sternen vergeben und spreche in jedem Fall eine Leseempfehlung aus!

Lieblinks

Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Nicole Obermeier ist nicht nur Bibliothekarin und Autorin, eigentlich ist sie auch noch Buchbloggerin! Ihren Blog verlinke ich euch hier. Inka von Lebensleseliebelust hat Nicole zudem interviewt, wenn ihr also noch mehr über die Autorin und eine Fortsetzung zu Ben & Judy erfahren wollt, klickt einfach mal hier



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Wir lesen uns hier am Dienstag wieder :-)
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Ein paar Worte zu... Benedict Wells - Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells Vom Ende der Einsamkeit | Gegenwartsliteratur | Leinen-HC, 368 Seiten | diogenes Verlag | Preis: 22,00€  | erschienen am 1. März 2016 | ISBN: 9783257069587 | Hier bestellen: Thalia *amazon


Worum geht es?

»Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.« Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.

Wie hat es mir gefallen?

Ich hatte mir dieses Buch ja extra für den Urlaub gekauft. Lustigerweise hat sich diese Lektüre dann als echt gutes Café-read herausgestellt. Allein die ersten 100 Seiten habe ich weggeschmöckert, als wir bei bestem Rotterdamer Regenwetter in einem kuscheligen Café am Oudehaven versackt sind (dort ist auch das Titelbild entstanden). Die restlichen Seiten las ich dann in der zweiten Urlaubsetappe im Erfurter Speicher beim Kaffee. 

Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, selbst wenn sie mit dem Thema Tod einleitet und ihr somit eine gewisse Schwerlastigkeit anhaftet. Der Leser weiß also schon zu Beginn (und auch durch den Klappentext), dass die jeweiligen Protagonisten auf einen traurigen Lebensabschnitt hinarbeiten und das es nach diesem schweren Einschnitt schwer sein wird, den Kopf oben zu halten. Nach dem Prolog beginnt die Geschichte dann aber tatsächlich und zwar im Jahr 1980, als alles noch in geraden Bahnen verlief, also ... so einigermaßen. 

Der Leser kommt in den ersten Kontakt mit der Familie, vor allem das Geschwistergespann und ihre Bindung zueinander werden bis ins kleinste wörtliche Detail zum Ausdruck gebracht. Hauptakteure sind hier vor allem Jules (aus dessen Sicht die Geschichte auch erzählt wird) sowie seine Schwester Liz und sein Bruder Marty. Aber auch die Bindung zu den Eltern selbst wird nicht außer Acht gelassen. Insbesondere das Bildnis des Vaters und der Mutter empfand ich gut herausgearbeitet und die Figuren wirkten mehr als nur greifbar, sodass sich bei mir schnell mehr als nur ein Ergriffensein einstellte, als genau diese Eltern bei einem tragischen Unfall ums Leben kommen und sich für die hinterbliebenden Kinder von nun an alles ändert. Dabei nutzt Wells aber keine übertriebene Emotionalität oder zeichnet gar Figuren, die ein stetiges Jammern und Selbstbemitleiden an den Tag legen. Er erzählt gänzlich normal.
Mein Vater hatte damals gesagt:"Am wichtigsten ist, dass du deinen wahren Freund findest, Jules." Er hatte gemerkt, dass ich nicht verstand, und mich eindringlich angesehen. "Dein wahrer Freund ist jemand, der immer da ist, der dein ganzes Leben an deiner Seite geht. Du musst ihn finden, das ist wichtiger als alles, auch als die Liebe. Denn die Liebe kann vergehen." (...) S. 33
Bei so viel Detail könnte man meinen, Wells würde ausschweifen, macht er aber nicht. Er trifft seine Gedanken verständlich und auf den Punkt genau. Ungeschönt und real, schriftstellerische Eigenschaften, die ich in diesem Lesejahr besonders zu schätzen gelernt habe. Wells arbeitet sich ab 1980 in Lebensabschnitten vor, ergänzt durch kindliche und jugendliche Erinnerungen, eine Art Flashback, getragen durch Lebensweisheiten, die die Eltern vielleicht noch auf den Weg gaben oder durch prägende Ereignisse, die Jules selbst erlebt hat. Das passt auch zur Figur von Jules selbst, denn über ihn sagt man: 
"Aber ich schreibe doch nicht, Alva, wie oft denn noch. Das ist alles Jahre her." "Vielleicht schreibst du nicht auf Papier, doch in deinem Kopf tust du es", sagte sie mit leiser Stimme und berührte mich am Arm. "Das hast du schon immer getan. Du bist ein Erinnerer und Bewahrer, und du weißt es." S. 197f
Selbst wenn sich die Geschichte hauptsächlich mit dem Lebensweg von Jules beschäftigt, mit der ewigen Suche nach dem einen Etwas, das die Leere und Einsamkeit aufzusaugen vermag, wird auch ein Augenmerk auf die Entwicklung der Figuren Marty und Liz gelegt. Letztere hat der Tod der Eltern insofern besonders getroffen, als dass sie nicht nur einmal vom Weg abkommt. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, als würde ich ein Schiff beim ewigen Sinken beobachten, dass dann doch immer mal wieder die Chance hat, Anker zu setzen, diese Möglichkeiten aber mit voller Absicht nicht nutzt. Ein Paradebeispiel für die Selbstzerstörung per se. 

Selbiges kann man auch ein Stück weit bei Jules beobachten, der in all den Jahren bis 2014 damit beschäftigt ist, die Lücke zu füllen, die seine Eltern hinterlassen haben. Ständig ruhe- und kopflos gepaart mit so viel Hilfslosigkeit. Soll er in die Fußstapfen seines Vaters treten, was ist wenn er dies und das nicht gut macht, und was will er eigentlich? Dagegen schreibt Wells aber alles andere als ruhe- und kopflos, ich habe schon lange mehr kein Buch gelesen, das so viel Ruhe mit sich bringt. Ich konnte für jede Figur Verständnis aufbringen und mich in irgendeiner Weise einfühlen. Vielleicht auch, weil Wells das echte Leben (be-)schreibt. Und wie immer bei solchen Büchern könnte ich noch ewig und drei Jahre schreiben, was noch alles schön an der Geschichte war, deshalb machen wir es lieber kurz:

Wer auf neumodische oberflächliche Dramatik setzt, wird hier keinesfalls fündig. Wer sich hingegen nach der gewissen Tiefe und viel Detailreichtum sehnt, nach einem vielschichtigen Familiendrama aus der Feder eines wortgewandten Mannes, der sollte sich dieses Buch dann doch einmal näher ansehen. Ich habe Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells jedenfalls mit fünf Sternen bewertet. Nun schwimme ich also auch auf der Wells-Welle und kann es kaum abwarten seine anderen Bücher zu lesen. Eine ganz klare Leseempfehlung!

Lieblinks

Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Weitere Bücher und eine Kurzbiografie könnt ihr euch hier ansehen. Außerdem ist Benedict Wells Ende August wieder auf Lesereise und macht unter anderem in Leipzig, Hamburg, Erfurt, Düsseldorf und Berlin Halt. Alle Lesungstermine findet ihr hier auf der rechten Seite



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Wir lesen uns hier am Sonntag wieder :-)
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Gemeinsam lesen #81: Adriana Popescu - Paris, du & ich

Hallo, hallo, hallo ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 81. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 
Und nun zu den Fragen für diese Woche:

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese nun auch endlich Paris, du & ich von Adriana Popescu und habe das Buch erst begonnen, deshalb ist hier die Seitenzahl 7 zu vermerken.

Darum geht's:  
Romantik pur hatte sie geplant – eine Woche Paris bei ihrem chéri Alain. Doch angekommen in der Stadt der Liebe, muss die sechzehnjährige Emma feststellen, dass Alains »Emma« inzwischen »Chloé« heißt und sie selbst nun dumm dasteht: ohne Bleibe, ohne Kohle, aber mit gnadenlos gebrochenem Herzen. Ähnlich down ist Vincent, dem kurz vor der romantischen Parisreise die Freundin abhandengekommen ist, und den Emma zufällig in einem Bistro trifft. Zwei Cafés au lait später schließen die beiden Verlassenen einen Pakt: Sich NIE wieder so heftig zu verlieben. Und nehmen sich vor, trotz allem diese alberne Stadt der Verliebten unsicher zu machen, allerdings auf ihre Art. Paris für Entliebte – mit Chillen auf Parkbänken, Karussellfahren auf alten Jahrmärkten, stöbern in schrägen Kostümläden. Doch ob das klappt: sich in der Stadt der Liebe NICHT zu verlieben?
2. Wie lautet der erste Satz im Buch?

"Liebes Paris!"

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Eigentlich sollte mich dieses Buch ja in meinen Urlaub begleiten, nur leider kam diesmal der Versand dazwischen. Ich glaube, so lange war noch nie ein Buch zu mir unterwegs, welches ich beim Bloggerportal angefragt habe. Ging es euch auch schon so? Vielleicht liegt es auch an den steigenden Anfragen auf der Plattform selbst? Vielleicht ist diese Entwicklung aber schon länger so und ich habe es wieder mal nicht mitbekommen, da ich nur noch sehr selten Bücher dort anfrage. Naja, jedenfalls bin ich wirklich sehr gespannt auf die Geschichte, wenn auch schon ernüchternde Meinungen zum Buch existieren. 


4. Welche Neuerscheinung steht auf deiner Wunschliste ganz oben?
Also ganz oben stand noch bis letzte Woche der neue Thriller Der Traummacher von Max Bentow. Dieser Wunsch wurde mir aber bereits durch den Verlag erfüllt, denn wie auch schon im letzten Jahr zu Das Dornenkind bekomme ich das Buch als Leseexemplar zugesandt, yay! Um in der Thrillerecke zu bleiben erwarte natürlich auch ich ganz aufgeregt den neuen Fitzek Das Paket. Und auch sonst scheinen die kommenden Wochen buchtechnisch wieder düsterer zu werden (nach all dem Kuschelwuschelromantischflash wird es dann ja auch mal Zeit, haha) und ich hätte mir in unserer Woche in den Niederlanden auch noch gerne den ein oder anderen Buchwunsch erfüllt, wollte dann aber doch die deutsche Veröffentlichung abwarten: zum Einen wäre das der dritte Teil von Justin Cronins The Passage-Trilogie Die Spiegelstadt und dann natürlich noch der finale Band Der letzte Stern. Beide Bücher sind bereits im englischen und amerikanischenRaum veröffentlicht.


Wie schaut es bei euch aus? Auf welche Buchveröffentlichung freut ihr euch ganz besonders? Und überdies: Welches Buch begleitet euch in dieser Woche? Schreibt es mir in die Kommentare! :-)

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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Ein paar Worte zu... Marc Levy - Wer Schatten küsst

Marc Levy Wer Schatten küsst | Gegenwartsliteratur | Taschenbuch, 256 Seiten | Blanvalet Verlag | Preis: 8,99€  | erschienen am 20. Januar 2014 | ISBN: 9783442380268 | Hier bestellen: Thalia ebook *amazon


Worum geht es? 

Liebe hat viele Gesichter – doch nur eines werden wir nie vergessen … Als Kind stiehlt er die Schatten derer, die seinen Weg kreuzen – Freunde, Feinde und seine erste Liebe. Und erhält so Einblick in ihre Träume, Wünsche und Sorgen. Was soll er aber mit dieser Gabe anfangen, die ihn so verwirrt? Jahre später ist aus dem Schattendieb ein Arzt geworden. Hat er immer noch die Fähigkeit, die Sehnsüchte derer zu erahnen, die ihn umgeben? Erneut wird er mit der Frage konfrontiert: Kann er den Menschen dabei helfen, ihre Träume zu leben, statt ihr Leben zu träumen – und selbst das Glück und die Liebe finden?

Wie hat es mir gefallen?

Wahrscheinlich gehört Wer Schatten küsst zu den eher übersinnlicheren Romanen, die Marc Levy bisher geschrieben hat. Solange du da bist geht da in eine ganz ähnliche Richtung und doch ist der mir nun hier vorliegende Roman doch nochmal auf seine Weise ganz besonders. Hier wird zunächst die Geschichte eines Schuljungen erzählt. Er ist neu an seiner Schule, wird sogleich als Mobbingopfer auserkoren und wäre dies noch nicht schrecklich genug, verlässt dann auch noch sein Vater die Familie. All das macht etwas mit dem Jungen, dessen Name übrigens an keiner Stelle genannt wird. Aber es ist nicht so, als würde er durch diese emotionalen Lasten einbrechen. Stattdessen merkt er schnell, dass er sich so sehr in seine Mitmenschen einfühlen, ihnen sämtliche Gfühlslagen von der Nasenspitze ablesen kann, einfach nur indem er sich für kurze Zeit ihres Schattens bemächtigt. 
Endlich trat der ersehnte Effekt ein. Genau vor mir sah ich, wie sich mein Schatten über den Boden erstreckte. Ich hüstelte leicht und nahm all meinen Mut zusammen, um dann mit Bestimmtheit das zu erklären, dessen ich mir inzwischen sicher war. "Du bist nicht mein Schatten!" (S. 46)
Auf andere wirken seine Behauptungen stets sonderbar, er wird für sein Tun belächelt, nur eine kindliche Begegnung mit dem Mädchen Cléa bringt ihm endlich etwas Verständnis entgegen und natürlich die einzige Freundschaft, die er an seiner Schule hat, die zu Yves. 
 
Dann erfolgt ein Cut. Erst Jahre später, wenn der Protagonist schon als Medizinstudent tätig ist, treten wir als Leser nochmal mit ihm in Kontakt und begleiten ihn auf seine Reise. Nur auf eine Reise wohin? Wahrscheinlich ein bisschen auf die Reise ins Überall: zu alten und neuen Freundschaften; zu sich selbst; zu dem, was wirklich im Leben zählt und das ist ja bekanntlich für jeden anders definiert. Wer Schatten küsst arbeitet Verluste auf, sei es der Verlust verlorener Menschen, egal auf welche Weise sie verloren gingen. Der Verlust der Träume, sowohl die eigenen als auch die Träume anderer. Der Verlust der Selbstverwirklichung, der Verlust des Blickes für das Wesentliche. Und die Erkenntnis, wann Träume Wolkenschäume sind und wann es sich lohnt, für sie einzutreten.

Der Roman lebt nicht von rasanten Szenen, die mit übertriebenen Aktionen überladen sind, die Geschichte baut sich allmählich auf, viele Schauplätze plätschern angenehm vor sich hin und doch gibt jedes geschriebene Bild sehr viele Interpretationsmöglichkeiten. Gleichzeitig spielt der Autor in einfacher Sprache stark mit Nähe und Distanz. Der Protagonist ist vor allem  aufgrund seines nichtvorhandenen Namens für den Leser sehr unnahbar, und trotzdem hatte ich das Gefühl ihm beim Lesen doch nahe zu sein. Ich kann nichtmal genau sagen, warum das nun so ist. Vielleicht muss man sich mit solch einer Aussage ohne Begründung auch einfach zufrieden geben. Dabei hat mir der zweite Teil  der Geschichte, als der Protagonist schon im Erwachsenenalter ist, komischerweise ein klitzekleines bisschen mehr gefallen. Denn Distanzbewusstsein baut sich erst über die Jahre auf, wohingegen Kinder oftmals eher distanzlos sind. Aber ich konnte mich irgendwie mit diesem Alter besser identifizieren, als in den Kindheitsszenen, wobei diese natürlich auch etwas Magisches und Schönes an sich hatten - die Welt durch Kinderaugen sehen eben. 

Ich würde nicht sagen, dass Wer Schatten küsst Marc Levys bester Roman überhaupt ist, aber er ist für das Philosphische und Spirituelle eben besonders wertvoll und hilft dem Leser dabei, in sich selbst hineinzuhören. Gen Ende gibt es dann auch nochmal eine Textstelle, die mich den Atem anhalten ließ und die mich besonders berührt hat, auch wenn man es im letzten Romandrittel schon fast erahnen kann. Nichtsdestotrotz war dies nochmal ein Wow!-Moment, was mich dann auch zu einer Bewertung von 4 Sternen veranlasst hat. Wer Schatten küsst ist einerseits ein anderes Marc Levy-Buch und andererseits auch irgendwie nicht. Ich würde aber empfehlen, sich für die Geschichte Zeit zu nehmen und die geschriebenen Zeilen mit offenem Geist zu lesen, damit einem die versteckten Botschaften nicht durch die Lappen gehen.
 

Lieblinks

Marc Levy ist aufgrund seiner weltweiten Buchverkäufe Frankreichs erfolgreichster Autor. Hier findet ihr das Buch auch nochmal auf der Verlagswebsite. Und hier geht es zur offiziellen französischen Homepage von Marc Levy. Auf Facebook ist er aber auch zu finden. 



 Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag! Wir lesen uns hier am Dienstag wieder :-)
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Gemeinsam lesen #80 - Urlaubsedition Pt. 2: Jonathan Tropper - Der Sound meines Lebens

Hallo, hallo, hallo ihr Lieben! 
Auch im neuen Jahr weiterhin dabei - heute nehme ich bereits zum 80. Mal (und auch auf Empfehlung der lieben Inka von Lebensleseliebelust, die das wirklich sehr sehr fleißig auf ihrem Blog verfolgt!) an der Gemeinsam lesen-Aktion teil.  Asaviels Bücher-Allerlei, die Schöpferin dieses Projekts, hat zwar aufgehört, aber Schlunzenbücher hat das Projekt quasi adoptiert und führen es nun weiter. 

Bei Gemeinsam lesen handelt es sich um einen Currently Reading-Beitrag, der sich aus vier Fragen zusammensetzt. Drei davon sind immer die gleichen, ergänzend dazu gibt es dann nochmal eine sich stets variierende Frage. Eine schöne Sache, um ein paar Gedanken zum jeweiligen Buch zu teilen, sich über Bücher auszutauschen und vor allem um andere Blogs kennenzulernen! 
Und nun zu den Fragen für diese Woche:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Heute mal ein bisschen anders: Vermutlich begleitet mich gerade die Urlaubslektüre Der Sound meines Lebens von Jonathan Tropper durch die niederländischen Metropolen.

Darum geht's:  
Drew Silver hat die Nase voll von seinem Leben. Nachdem ihn seine Frau Denise vor Jahren verlassen hat, seine Tochter Casey nichts von ihrem nutzlosen Vater wissen will und seine Karriere als gefeierter Rockstar so lange her ist, dass sie ihm wie ein schöner Traum erscheint, hält Silver nichts mehr im Leben. Da kommt ihm das akute Aneurysma gerade recht, und er beschließt: Ich lasse mich nicht operieren. Doch die Rechnung hat er ohne sein Herz gemacht. Im Gegensatz zu seiner Arterie funktioniert es nämlich einwandfrei und will nicht nur allen beweisen, dass er gar kein so übler Kerl ist, sondern will sich auch noch einmal verlieben.
(via Diogenes
 
2. Wie lautet der erste Satz im Buch?

"Es ist Dienstag." (wie passend, haha!)

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!) 
Der Sound meines Lebens ist eigentlich nur wegen Sebastian Fitzek bei mir eingezogen. Denn der hat dieses (und weitere Bücher, die den Sommer spannender machen) im letzten Jahr bei Sat1 vorgestellt. Hier verlinke ich euch nochmal die Zusammenfassung auf der Sat1-Website. Gerne hätte euch an dieser Stelle auch den TV-Ausschnitt verlinkt, den scheint es aber offenbar nicht mehr online zu geben, schade Banane. Naja, jedenfalls habe ich mir das Buch dann dieses Jahr während der LBM16 zugelegt - irgendwie drehen und wenden sich meine Urlaubsbücher alle um die LBM16, haha. Gleichzeitig gehört Der Sound meines Lebens auch auf meine Summer Reading List '16, und auch hier bin ich sehr gespannt, was mich erwartet. Hat jemand von euch das Buch vielleicht schon gelesen?


4. Gibt es ungelesene Bücher in eurem Regal, die ihr nicht zu eurem SUB zählt?
Ja, die gibt es, und zwar Fachbücher für die Unterrichtsplanung. Wobei Jugendliteratur, die ich im Unterricht einsetze, wiederum mit auf den SuB gezählt wird. Ich arbeite zwar einerseits damit, andererseits genieße ich diese Lesestunden dabei genauso. Bei fachdidaktischen Büchern wiederum steht eben die Arbeit als solche im Fokus, die muss nicht in mein eigentliches Leseverhalten integriert werden. Trotzdem passiert es aber, dass mir einige Bücher für mein privates Lesevergnügen immer mal wieder durch die goodreads-Lappen gehen. Vielleicht habe ich mal vergessen, dass ich ein eBook gekauft habe und habe es nicht zu meinem SuB-Stapel hinzugefügt. Manchmal ist es auch so, dass das Buch noch nicht bei goodreads gelistet ist, da neu erschienen. So ist die Überraschung oft groß, wenn ich mein Bücherregal aufräume und auf ein Buch stoße, was ich so gar nicht mehr im Gedächtnis hatte.


Wie schaut es bei euch aus? Gibt es Bücher, die ihr nicht zu eurem SuB zählt? Und überdies: Welches Buch begleitet euch in dieser Woche? Schreibt es mir in die Kommentare! 

Ich wünsche euch einen superguten Tag, wir lesen uns hier am Freitag wieder! 


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